Aus Liebe zum Leben  

Psychotrauma 

Die IoPT- Anliegen-Methode kann, bildlich gesprochen, eine „Brücke“ bilden zwischen abgespaltenen Gefühlen und realen Situationen, in denen Traumata entstanden sind. 

Ein Trauma ist jedes Ereignis, das unsere Schutzhülle verletzt und uns mit einem Gefühl der Überwältigung und Hilflosigkeit zurücklässt.

Traumatische Erlebnisse können Stürze sein, Verkehrsunfälle, Operationen, ein 
überwältigendes Geburtserlebnis,  zahnmedizinische Behandlungen, schwere Krankheiten, 
der Verlust eines geliebten Menschen, der Verlust der Heimat, Mobbingerfahrungen ...

Traumata entstehen durch erlebte physische und psychische Gewalt, durch Kriege, 
Naturkatastrophen, sexuellen Missbrauch ...


Wir Menschen haben einen hochsensiblen Organismus. Besonders Ungeborene und kleine Kinder sind sehr verwundbar. Bereits kleinste negative Beziehungserfahrungen von Verlassenwerden, Vernachlässigung, physischer und psychischer Gewalt können ein Trauma auslösen.

Hinzu kommen Traumata, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, wie zum Beispiel die Kriegserlebnisse unserer Eltern und Großeltern: Verluste, Verlassenheitsgefühle, Todesangst, generelle Unsicherheit und Ängste sind auf Zellebene auch in uns gespeichert.

Was ist passiert?
Wenn ein menschlicher Organismus unter Stress steht und überfordert ist, dann zentrieren sich alle organischen Funktionen auf den Erhalt des Überlebens. So würde z.B. ein stressbedingter andauernder erhöhter Herzschlag unweigerlich zum Tod führen. 
Ein komplexer Stress-Mechanismus stellt einem Menschen in Stresssituation Ressourcen bereit, die seinen Kampf- und Fluchtmodus in Gang setzen.

Können - bei einmaligen traumatischen Erlebnissen oder bei toxischem Dauerstress - die für den Kampf oder die Flucht zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht genutzt werden (situativ, z.B. im Bauch einer Mutter, beim Geburtsprozess, in den ersten Lebensjahren, bei Abwertungen in der Kindheit ...), dann setzt das einen Mechanismus in Gang, der zunächst einmal das "reine Überleben" sichert.

Dieser Mechanismus bewirkt eine Aufspaltung der Gesamterfahrung - vereinfacht gesagt werden Gefühle in einem Gehirnareal abgelegt und hier unter Verschluss gehalten. Und die sachliche Beschreibung der Situation - ohne die dazugehörigen Gefühle - in einem anderen Teil des Gehirns.

Wenn "überwältigende" Erfahrungen nicht zur Weiterverarbeitung in das Hirnareal gelangen, in dem Erfahrungen verarbeitet werden, können sie nicht realitätsgerecht verarbeitet werden. 

Ohne dass ein Mensch davon weiß, kann das eigene Leben in vielfältiger Weise von traumatischen Erfahrungen "durchdrungen" sein. Ein Psychotrauma (die im Nervensystem gebundene Energie) beeinflusst das lebendige, liebevolle mit sich selbst und mit den Mitmenschen Sein auf vielfältige Weise.
Psychotraumatische Gefühle können getriggert werden. Das heißt, dass die eingeschlossenen Gefühle auch dann berührt werden, wenn die Situation mit den ursprünglichen Erfahrungen nicht identisch ist.
Die Trigger oder Auslöser sind vielfältiger Natur: Töne, Gerüche, Verhaltensweisen, Färbung einer Stimme, Berührungen, eine bestimmte Situation, ein Datum, ein Film, ein Gesichtsausdruck, der Habitus einer Person, ein Kontakt, Aussehen von Sachen und Dingen, Verlusterfahrungen, Beziehungserfahrungen ...

Erst wenn eine neuronale Verbindung zwischen einer realen Erfahrung und den damit verbundenen Gefühlen hergestellt wird, ist die realitätsgerechte Wahrnehmung und Verarbeitung der Erfahrung möglich.


Bist du von psychotraumatischen Erfahrungen betroffen? 

Trauma-Checkliste von Prof. Dr. Franz Ruppert, vom 21.02.2022 

"Ein Psychotrauma ist entweder an dem traumatischen Ereignis erkennbar, das jemand selbst erlebt hat, oder an den Trauma-Überlebensstrategien, die sich daraus zwangläufig ergeben.

Diese Checkliste ist nicht vollständig und auf einige zentrale Ereignisse und Überlebensstrategien begrenzt, die sich bei den Menschen, die ich therapeutisch begleitet, am häufigsten zeigen.

Traumata der Vorgeneration
O die Mutter meiner Mutter ist traumatisiert O die Mutter meines Vaters ist traumatisiert O der Vater meiner Mutter ist traumatisiert O der Vater meines Vaters ist traumatisiert O meine Mutter ist traumatisiert O mein Vater ist traumatisiert

Trauma der Identität O Ich bin als Kind von meiner Mutter nicht gewollt. O Ich bin als Kind von meinem Vater nicht gewollt. O Ich habe einen Abtreibungsversuch überlebt. O Ich habe im Bauch meiner Mutter Gewalt erlebt. O Ich leide unter Panikattacken. O Ich leide unter chronischen Ängsten. O Ich habe für meine Eltern das falsche Geschlecht. O Mein Wille wurde durch meine Eltern, Lehrer, Vorgesetzten mit Gewalt gebrochen. O Ich suche meine Identität im Außen (Familie, Arbeit, Herkunftsland, Religion, politische Partei …). O Ich will besser sein als andere. O Ich kann mich gegen Zuschreibungen von anderen nicht wehren. O Ich wurde von meinen Eltern früh zur Adoption weggegeben.

Trauma der Liebe O Ich habe von meinen Eltern nicht die Liebe bekommen, die ich als Kind gebraucht hätte. O Ich musste immer/muss noch immer für meine Eltern da sein. O Ich habe das Gefühl, meine Eltern retten zu müssen. O Ich hoffe noch immer, von meinen Eltern eines Tages geliebt zu werden. O Ich meine, Kindern müssen ihren Eltern grundsätzlich dankbar sein. O Ich habe Schuldgefühle gegenüber meinen Eltern. O Ich bin vor allem darauf fixiert, was andere über mich denken. O Ich suche noch immer nach meinem Platz in meiner Familie. O Ich mache mir viele Sorgen um andere Menschen. O Manchmal überkommen mich immense Wutanfälle.

Trauma der Sexualität O Ich habe eine Genitalbeschneidung erdulden müssen. O Ich habe als Kind oder Jugendlicher sexuelle Übergriffe erlebt. O Ich habe in meiner Partnerschaft sexuelle Gewalt erlebt. O Ich bin von einem Fremden vergewaltigt worden. O Ich habe als Frau Gewalt während der Geburt erlebt. O Ich habe an meine Kindheit so gut wie keine Erinnerungen. O Ich habe chronische körperliche Krankheiten. O Ich lehne meinen Körper ab. O Ich fühle nichts. O Ich suche durch Sexualität Ablenkung von meinen Alltagssorgen. O Ich konsumiere Drogen (Zigaretten, Alkohol, Medikamente, Psychopharmaka). O Ich bin entweder depressiv oder aggressiv.

Trauma der eigenen Täterschaft O Ich habe ein Kind abgetrieben. O Ich habe anderen Menschen Gewalt angetan. O Ich habe meinen Kindern nicht die Liebe gegeben, die sie gebraucht hätten. O Ich habe mein Kind sexuell traumatisiert. O Ich befinde mich in andauernden existenzbedrohlichen Konflikten mit anderen Menschen. O Ich habe starke Schuld- und Schamgefühle. O Ich getraue mich nicht, die Wahrheit auszusprechen.

Verlusttrauma O Ich habe einen Elternteil/beide Eltern früh verloren. O Ich habe ein Geschwister früh verloren. O Ich habe ein Kind verloren.

Ein Leitfaden für die Entwicklung einer gesunden Identität O Ich bin in einem stabilen Kontakt mit meinem Ich. O Ich verfüge in wichtigen Lebenslagen über einen eigenen Willen. O Ich fühle, was zu mir gehört und was nicht. O Ich liebe, ohne mich für meine Liebesbedürfnisse selbst aufzugeben. O Ich kann Liebe von anderen offen annehmen. O Ich verfüge über ein kritisches Denkvermögen und mache mir eigene Gedanken. O Ich mag meinen Körper. O Ich mag meine eigene Sexualität. O Ich mag die Sexualität meines Sexualpartners. O Ich habe keine Angst vor meinen Erinnerungen. O Ich kann die Realität von meinen Wunschvorstellungen und Projektionen unterscheiden. O Ich kann meine Entscheidungen in sinnvolle Handlungen umsetzen. O Ich lebe konstruktive Beziehungen mit anderen Menschen."